Andrea

Pürierte Vielfalt. 

Meine liebe Nenja, ahnst Du wie sehr ich Dich jeden Tag um Dein Frühstück beneide, selbst wenn es sich dabei um Pancakes handelt, die wie Leder schmecken?

Ihr habt keine Vorstellung davon, wie schnell euch alle Arten von Brei und püriertem Essen aus dem Halse hängen würden, wenn ihr gezwungen wärd, nichts Bissfestes mehr zu euch zu nehmen. 

In den ersten Tagen war ich noch selig. Kein Wunder nach dem pürierten Huhn im Krankenhaus, aber es dauerte keine zwei Tage bis ich mir nichts mehr wünschte als einfach in etwas hineinzubeißen.

Manchmal bringt mich allein das Geräusch eines anderen Menschen beim Essen schier auf die Palme. Wenn ich mir vorstelle, dass gerade einmal die erste von vier pürierten Wochen hinter mir liegt, möchte ich am liebsten heulen.

Ernsthaft. Ich kann dieses pürierte Zeug nicht mehr sehen und das, wo ich vor der OP beinah täglich Porridge gegessen habe. Aber es besteht eben ein Unterschied darin, ob ich etwas freiwillig esse oder mir keine andere Wahl bleibt.

Jetzt zähle ich also die Tage bis ich wieder kraftvoll zubeißen kann und hoffe, dass meine Zähne bis dahin noch wissen, was ihr eigentlicher Job ist.

Zur Zeit ernähre ich mich hauptsächlich von Grießbrei mit Zimt und griechischem Joghurt mit selbstgemachtem Fruchtmousse. Herzhafte Mahlzeiten sind gerade eher schwierig. Das Einzige, was ich hier essen mag, ist Kartoffelbrei, aber selbst den hat man irgendwann gesehen.

Ich werde diese Phase der Abstinenz bewusst begehen, damit ich hinterher umso achtsamer genieße.

Das erste was ich mir gönnen werde, wenn mein Arzt sein okay gegeben hat, ist eine kleine, frische Scheibe Hefezopf mit einem Hauch Butter.

Ansonsten darf ich mich wohl nicht beklagen. Die inneren wie äußeren Wunden verheilen einwandfrei und bis auf zwei Tage (einer davon heute), an denen ich vor Krämpfen fast geheult habe, geht es mir den Umständen entsprechend gut.

Ich kann bis zu 7000 Schritte machen und werde Tag für Tag beweglicher. Die ersten 6,8kg sind runter und ich glaube zu erkennen, dass mein Gesicht etwas schmaler geworden ist.

Ich muss lernen, mir und meinem Körper Zeit zu geben. Zu akzeptieren, dass er sein eigenes Tempo hat und ich muss aufhören, mich mit anderen zu vergleichen.

Dir drücke ich für morgen ganz fest die Daumen liebe Nenja und ich hoffe, dass Du für Dein Durchhaltevermögen belohnt wirst.



  

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